Hypnose für eine bewusste und glückliche Geburt | Carole Schürch

Mein Geburtserlebnis mit Hypnose

Als meine erste Tochter im Jahr 2014 zur Welt kam, wusste ich noch nicht einmal, dass es Hypnobirthing überhaupt gibt. Dies änderte sich aber ab dem Jahr 2015 als ich selber die Ausbildung zur Dipl. Hypnosetherapeutin absolvierte. Hier wurde mir klar, wie vielfältig Hypnose eingesetzt werden kann.
Im Jahr 2017 wurde ich glücklicherweise erneut schwanger und von da an war für mich klar, dass ich bei der Geburt meiner zweiten Tochter die Methode der Geburtshypnose anwenden wollte. Das Wissen dazu erwarb ich im Frühjahr 2018 in der Weiterbildung zur Hypnobirth-Kursleiterin . Fortan übte ich Zuhause regelmässig mit den Tools, die ich dort erlernt hatte. Diese steigerten mein Vertrauen in mich, meinen Körper und den Geburtsablauf, so dass ich freudig und gut vorbereitet dem Tag der Geburt entgegenblickte.

31. Mai 2018

Um Mitternacht verspürte ich die ersten Wehen. Augenblicklich erinnerte ich mich an die gelernte Atemtechnik der Eröffnungsphase. So verstrichen bis zum Morgengrauen die Stunden während dem ich in Ruhe die Wehen «veratmete» und zwischendurch schlief. Am Morgen, so gegen 7.00 Uhr fuhren wir dann ins Spital. Die Kontrolle der Hebamme ergab, dass mein Muttermund bereits gute 6 cm offen war. Ihre Worte: «Sie haben bereits gute Vorarbeit geleistet!» Da instruierte ich die Hebamme darüber, dass ich Hypnobirthing praktiziere. Sie war ganz erstaunt wie ruhig und relaxt ich und mein Partner in Gebärsaal waren.

Da an diesem Morgen lediglich zwei Hebammen für sechs Gebärende vor Ort waren, verstrich viel Zeit, in der mein Partner und ich alleine im Gebärsaal verbrachten. Wir stellten uns gute Musik ein und so war es tatsächlich möglich, dass ich zwischen den «Wellen» tanzte. Ab und zu warf die Hebamme einen Blick auf die Fortschritte. Nebenbei bemerkte sie: « Bei Ihnen ist so eine tolle Stimmung, dass es eine wahre Freude ist, in diesem Zimmer zu arbeiten.» So verstrich die Zeit und die Wellen wurden zunehmend stärker doch ich konnte die Schmerzen gut ertragen. Obwohl der Muttermund inzwischen komplett offen war und auch die Wehenhäufigkeit auf eine baldige Geburt hindeuteten, rutschte das Baby nicht in den Geburtskanal.

Allen Positionswechseln und Bemühungen der Hebamme zum Trotz, blieb es stets weit oben im Bauch – zu weit! Demzufolge wurde ich von meinem Frauenarzt per Ultraschall untersucht. Das Ergebnis bestätigte die Annahme der Hebamme. Das Baby lag im «Hochstamm» zum Becken. Eine Position die dem Kind verunmöglichte nach unten zu rutschen. Nach all den Stunden und dem positiven «Veratmen» der Wellen wurde nun klar, dass wir einen Kaiserschnitt vollziehen mussten.

Trotzdem die Schwierigkeiten des «nach unten Rutschens» bereits bei meiner ersten Tochter bestanden, kam jene dennoch auf natürliche Art und Weise zur Welt. Nun sollte es anders sein. Obwohl ich mir auch dieses Mal eine natürliche Geburt gewünscht hätte, war für mich zu diesem Zeitpunkt klar, dass nicht ich über den weiteren Verlauf bestimmen würde, sondern die höheren Mächte und meine Tochter. Denn es ist, was ihre und meine Seele sich als Erfahrung ausgesucht haben. Auf dem Weg in den OP wandte ich weiterhin die gelernten Tools des Hypnobirthings an und ich kann ehrlich sagen, dass ich zu keinem Zeitpunkt nervös war oder gar Angst verspürte – im Gegenteil, ich blieb stets ruhig und konzentriert. Im OP angekommen waren sogar die Anästhesisten ziemlich erstaunt über meinen ruhigen Pulsschlag. Bei vollem Bewusstsein – unter lokaler Anästhesie – kam schlussendlich unsere wunderbare Tochter LYNN um 15.49 Uhr zur Welt. Seit diesem Zeitpunkt ist mein Glück perfekt und ich bin überaus dankbar, für die wunderbare Erfahrung.

Hypnobirthing hat mir einmal mehr gezeigt, zu was wir – mein ich, mein Geist und mein Körper – fähig sind unter unvorhersehbaren, aussergewöhnlichen Situationen. Aber nicht nur das, LYNN ist seit der Geburt ein wahres «Traumbaby». Sie schläft problemlos ein, kam während einem Monat nur einmal in der Nacht zum Trinken und schläft seit da oft mehr als neun Stunden zwischen den Mahlzeiten. Sie weint lediglich wenn sie ihre Bedürfnisse gestillt haben möchte. Auch ständige Bauchschmerzen und stundenlanges Herumtragen sind uns fremd. (Im Gegensatz zu unserer ersten Tochter) Alles in Allem ist Lynn ein ruhiges, ausgeglichenes Mädchen welches mit uns freudvoll die Welt erkundet.

Und ich? Ich hatte weder Gefühlsschwankungen noch war ich übermüdet, gereizt oder gestresst. Mein Körper regenerierte sich enorm schnell, im Umgang mit meinem Baby konnte und kann ich heute Vieles viel ruhiger und entspannter angehen, als bei der ersten Geburt. Bereits 10 Tage nach Lynn’s Geburt konnte ich wieder am Alltagsgeschehen teilnehmen und mit meinen Kindern den Sommer relaxt in der Badi geniessen.

Heute – genau zweieinhalb Monate nach der Geburt – blicke ich freudig und dankbar auf dieses wunderbare Ereignis zurück. Zum Glück durfte ich eine meiner Geburten mittels Hypnose erleben, denn nun kenne ich den Unterschied und kann dank dem Erlebten anderen Schwangeren in diesem Prozess behilflich sein.